Freelancer-Wirtschaftlichkeit · 8 Minuten
Freelancer-Stundensatz richtig berechnen: Die persönliche Preisuntergrenze
Der Marktpreis ist nicht automatisch der richtige Stundensatz für Ihr Geschäft. Ihre persönliche Untergrenze hängt von gewünschtem Einkommen, betrieblichen Kosten, Steuern, Rücklagen und vor allem von realistisch fakturierbaren Stunden ab. Wer nur ein Monatsgehalt durch 160 teilt, kalkuliert systematisch zu niedrig.
Vom privaten Ziel zum betrieblichen Bedarf
Ausgangspunkt ist nicht der gewünschte Rechnungsbetrag, sondern das verfügbare Einkommen, das nach Kosten und Vorsorge übrig bleiben soll.
Dazu kommen betriebliche Fixkosten, Versicherungen, Software, Weiterbildung, Akquise, Steuerberatung und Rücklagen für schwächere Monate.
Warum 160 Stunden unrealistisch sind
Ein Monat hat zwar ungefähr 160 Arbeitsstunden, aber nicht jede davon ist fakturierbar. Angebote, Buchhaltung, Weiterbildung, Urlaub, Krankheit, interne Organisation und Leerlauf müssen ebenfalls finanziert werden.
- ✓Urlaub und Feiertage
- ✓Krankheit und persönliche Ausfälle
- ✓Akquise und Angebotserstellung
- ✓Administration und Weiterbildung
- ✓Projektwechsel und nicht verkaufte Kapazität
Die belastbare Grundformel
Vereinfacht ergibt sich der notwendige Stundensatz aus dem jährlichen Umsatzbedarf geteilt durch die realistisch fakturierbaren Jahresstunden.
Der Umsatzbedarf umfasst Unternehmerlohn, Betriebskosten, Vorsorge, Steuern und Sicherheitsmarge. Die fakturierbaren Stunden sollten vorsichtig und anhand der eigenen Historie geplant werden.
Marge und Risiko einplanen
Eine Kalkulation ohne Puffer funktioniert nur in einem perfekten Jahr. Kundenkonzentration, lange Zahlungsziele, Projektabbrüche und Preissteigerungen erhöhen das Risiko.
Eine Sicherheitsmarge ist daher kein überhöhter Gewinnaufschlag, sondern Teil einer professionellen Unternehmensplanung.
Das Ergebnis richtig verwenden
Der berechnete Wert ist zunächst eine wirtschaftliche Untergrenze. Der tatsächlich angebotene Preis hängt zusätzlich von Spezialisierung, Verantwortung, Nutzen, Nachfrage und Vertragsrisiko ab.
Liegt der Markt dauerhaft unter Ihrer Untergrenze, müssen Angebot, Zielgruppe, Auslastung oder Kostenstruktur verändert werden – nicht die Mathematik ignoriert.
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Wie viele fakturierbare Stunden sind realistisch?
Das hängt vom Geschäftsmodell ab. Viele Solo-Selbstständige überschätzen ihre abrechenbare Kapazität. Planen Sie Urlaub, Akquise, Administration und Ausfälle ausdrücklich ein.
Ist die Berechnung brutto oder netto?
Die Kalkulation arbeitet mit dem betrieblichen Umsatzbedarf. Umsatzsteuer ist grundsätzlich kein Einkommen und wird getrennt betrachtet.
Sollte ich meinen errechneten Mindeststundensatz dem Kunden nennen?
Nein. Er dient Ihrer internen Entscheidung. Das Angebot orientiert sich am Kundennutzen, Markt und Projektrisiko und sollte oberhalb der tragfähigen Untergrenze liegen.